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Bundesliga: Im Interview: Gerald Marzenell

"Krefeld ist Favorit Nummer eins“

08. August 2019
Autor: Jörg Aberle
Foto: Hyp Yerlikaya Photography

Hotelzimmer buchen, Karten organisieren, Sicherheitsdienst beauftragen, Bus für die Auswärtsfahrt mieten, Kontakt zu den Spielern halten - und viele Dinge mehr. Gerald Marzenell, der Teamchef von Grün-Weiss Mannheim, ist vor den entscheidenden Spielen in der Tennis-Bundesliga am Samstag gegen Spitzenreiter Krefeld (12 Uhr) und am Sonntag (11 Uhr) in Gladbach nicht zu beneiden. Für diese Zeitung nahm er sich dennoch Zeit für ein ausführliches Gespräch.

Herr Marzenell, wie schätzen Sie die Meisterschaftschancen für Grün-Weiss ein, wie sieht die Konstellation vor den letzten zwei Spieltagen aus?

Marzenell: Krefeld ist auf dem Papier eindeutig haushoher Favorit. Wir haben die Außenseiterrolle, aber in einem Spiel kann immer alles passieren. Um die Meisterschaft zu verteidigen, müssen wir Krefeld schlagen und in Gladbach unentschieden spielen. Bei einem Remis gegen Krefeld hätten wir auch noch eine kleine Chance, weil man nie weiß, wie Düsseldorf gegen Krefeld am letzten Spieltag auftritt. Die Planung des Deutschen Tennisbundes sieht so aus, dass der Pokal am Sonntag in Krefeld stehen wird.

Ist die Anspannung heute als Teamchef oder früher als Spieler größer?

Marzenell: Als Spieler hast du es auf dem Platz selbst in der Hand. Als Trainer fiebert man genauso mit, ist aber einen Tick ohnmächtiger. Auf der anderen Seite versucht man, die Rahmenbedingungen für den Erfolg zu schaffen, kann an vielen Stellschrauben drehen, um das Optimum von jedem Spieler herauszuholen.

Welche Spieler werden am Wochenende wieder versuchen, das Optimum herauszuholen?

Marzenell: Manuel Pena Lopez ist schon die ganze Woche hier. Andreas Beck, Simon Stadler, Tobias Kamke, Robin Kern und Jeremy Jahn sind sicher dabei. Pedro Martinez ist noch beim Turnier in Augsburg im Einsatz und stößt bei einer Niederlage zum Kader dazu.

Wie war die Bilanz gegen Krefeld in den letzten Jahren? Mit welchen Spielern rechnen Sie beim Gegner?

Marzenell: Die Bilanz ist furchtbar. 2015 und 2016 haben wir 0:6 verloren. Krefeld ist für uns ein sehr unangenehmer Gegner. Sie können in den Einzeln aus dem Vollen schöpfen. Ich glaube, Krefeld holt erstmalig den starken Brasilianer Rogerio Dutra Silva hinzu. Dazu kommen viele Italiener, die das ganze Jahr auf Asche spielen. In den Doppeln haben wir die Chance, sie zu ärgern. Krefeld spielt seit weit über 30 Jahren in der Bundesliga, ist aber noch nie deutscher Meister geworden. Dieses Jahr sind sie eindeutig Favorit Nummer eins und werden nicht wieder einbrechen.

Haben Sie eine derart erfolgreiche Saison Ihres Teams erwartet?

Marzenell: Von den ersten sieben Spielern der Meldeliste standen uns sechs überhaupt nicht zur Verfügung. Insofern war nie damit zu rechnen, dass wir mit dieser Aufstellung um die ersten Plätze spielen würden können. Dass die beiden Neuzugänge Pedro Martinez und Manuel Pena Lopez so überragend spielen, war nicht zu erwarten. Alle acht eingesetzten Spieler haben über ihrem Limit agiert.

Warum sind die beiden Neuzugänge Martinez und Pena Lopez bei Grün-Weiss auf Anhieb voll eingeschlagen?

Marzenell: Ich weiß es nicht. Sie wurden vom ersten Spieltag an total herzlich von uns aufgenommen. Pedro hat sich sofort wohlgefühlt. Manuel ist seit Mai hier, hat auf der Anlage trainiert und ist von Mannheim aus zu den Turnieren gefahren. Bei den Challengern hat er Selbstvertrauen getankt und hat sich in der Zeit bei uns richtig eingelebt. Beide haben in der Bundesliga gleich mit Siegen begonnen, dann hat sich eine Eigendynamik entwickelt. Jetzt denken beide nur noch ans Gewinnen.

Wie kommt es zu der überragenden 10:4-Doppelbilanz in dieser Saison?

Marzenell: Mit Pedro und Andi haben wir zwei, die sensationell zusammen spielen. Zudem haben wir in dieser Konstellation die taktische Möglichkeit, die zwei entweder ins erste oder zweite Doppel zu stellen. Wir sind dadurch nicht ausrechenbar für den Gegner. Alle Spieler und Trainer besprechen in der Kabine gemeinsam, mit welchen Spielern wir das andere Doppel besetzen. Das funktioniert bisher bestens.

Auf wie viele Zuschauer hoffen Sie beim Heimspiel am Samstag?

Marzenell: Toll wäre, wenn wieder 3000 Zuschauer kommen. Wir spielen mit einer kompletten Underdog-Mannschaft am Samstag ein „Finale“. Ich hoffe, die Zuschauer honorieren das.

Schafft der Nachbar aus Weinheim den Klassenerhalt und gibt es nächstes Jahr wieder ein packendes Derby?

Marzenell: Ohne wenn und aber: Ja! Die Euphorie nach dem knappen Sieg gegen Köln ist zurück. Ich bin mir sicher, dass Weinheim in der Bundesliga bleibt.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 08.08.2019