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„Steffi Graf ist die Lichtgestalt unseres Sports“

Im Interview anlässlich ihres 50. Geburtstags: Gerald Marzenell

Foto:© Binder

Im Leimener Tennis-Leistungszentrum hat Gerald Marzenell Ende der 1970er Jahre die rasante Entwicklung von Steffi Graf hautnah miterlebt.

Gerald Marzenell kennt Steffi Graf seit ungefähr 40 Jahren. Der Teamchef des deutschen Mannschaftsmeisters Grün-Weiss Mannheim schildert im Interview, wie er ihren Aufstieg erlebt hat.

Herr Marzenell, als was für eine Person haben Sie Steffi Graf kennengelernt?

Gerald Marzenell: Ich kenne Steffi, seit sie zehn Jahre alt ist. Sie ist zwar fünf Jahre jünger als ich, wir haben uns Ende der 1970er Jahre aber immer wieder im Leimener Leistungszentrum gesehen, in dem wir beide trainiert haben. Gespielt hat sie aber meistens nicht mit mir, sondern mit gleichaltrigen Jungs wie Uli Kraft oder Rüdiger Haas. Der Kontakt zu Steffi ist nie abgerissen, vor drei Jahren hat sie uns beispielsweise mit ihrem Mann Andre Agassi bei Grün-Weiss Mannheim besucht.

Wie haben Sie sie bei der täglichen Trainingsarbeit erlebt?

Marzenell: Sie war immer sehr fleißig, pflichtbewusst und fokussiert. Am meisten hat mir aber imponiert, dass sie immer positiv war: Sie hat sich auf jedes Training gefreut.

Wie würden Sie Grafs Bedeutung für das deutsche Tennis beschreiben?

Marzenell: Steffi war einfach einzigartig. Sie hat zusammen mit Boris Becker das deutsche Tennis für viele Jahre geprägt und für die Blüte unserer Sportart in den 1990er-Jahren gesorgt. Sie war der Grund dafür, warum so viele Kinder mit dem Tennis angefangen haben, der Boom ist eng mit ihrem Namen verknüpft. Danach kamen Anke Huber und Michael Stich - Steffi und Boris blieben allerdings die Lichtgestalten unseres Sports.

Steffi Graf hat die Tennisszene lange bestimmt. Ist in den nächsten Jahren eine ähnliche Dominanz im Damentennis möglich?

Marzenell: Vor ihr gab es keine, die die Szene ähnlich beherrscht hat wie Steffi Graf. Nach ihr folgte noch die US-Amerikanerin Serena Williams, die auch über 20 Grand-Slam-Titel gewonnen hat. Eine ähnlich dominante Spielerin sehe ich heute nicht. Steffi war ihrer Zeit einfach ein Stück weit voraus. In Sachen Fitness hat ihr beispielsweise niemand etwas vorgemacht. Nicht nur ihre harte Vorhand war eine Waffe, auch ihr Rückhand-Slice war eine Klasse für sich. Ihre herausragende Beinarbeit hat das Gesamtpaket komplett gemacht.

Können Sie es nachvollziehen, dass sich Steffi Graf aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat? Oder finden Sie es schade, dass sie nicht öfter in Erscheinung tritt?

Marzenell: Wie sie ihr privates Leben gestaltet, ist ihre ganz persönliche Entscheidung. Sie ist mit ihrer Familie in Las Vegas glücklich, das ist das Einzige, was zählt. Es ist ja auch nicht so, dass Steffi nie nach Deutschland kommen würde. Ich bin davon überzeugt, dass sie über viele Dinge besser Bescheid weiß, als viele glauben. Steffi ist einzigartig als Person, einfach liebenswert. Sie ist niemand, der unbedingt in der Öffentlichkeit stehen muss.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 14.06.2019